Karin Nedela english version
die Künstlerin
 
Karin Nedela

»Es war einmal eine alte Welt voller Wunder und wunderbarer Geschichten. Und in dieser wundervollen Welt lebte eine Frau, die nichts lieber wollte, als Geschichten zu erzählen.

Das wusste sie aber zunächst nicht. Sie lebte ein ganz normales Leben als Bankangestellte, wie Millionen anderer Menschen auch. Aber in ihr gab es ein diffuses Unbehagen, das wuchs und wuchs und wurde schließlich so groß, dass sie ihr bisheriges Leben an den Nagel hing und ein Studium an einer Kunsthochschule begann.

Unsere Heldin absolvierte ihr Studium erfolgreich, aber niemand hatte ihr gesagt, dass die Arbeit danach erst richtig anfängt. Zu den weiteren Abenteuern, die sie zu bestehen hatte, gehörte das Schreiben und Publizieren eines Buches und natürlich eine Weltreise.

Den meisten Menschen würde vermutlich eines von beiden schon reichen, aber die Heldin unserer Geschichte konnte sich damit allein noch nicht zufrieden geben.

Sie unternimmt daher, zusätzlich zu ihren Reisen in der realen Welt, gerne Reisen, die sich vielleicht am besten als Zeitreisen beschreiben lassen. Diese Zeitreisen führen in die historische wie mythologische Vergangenheit; ein Land, in dem Präzision und Phantasie absolut gleichberechtigt sind.

Dort gibt es unbarmherzige Herrscher und tödliche Tabus, kluge Queens, lebensfrohe Ladies, weise Frauen, schöne Schicksale und traurige Tragödien, und über allem thronen die Göttinnen. Für diese Reisen braucht es, wie im Land der Wirklichkeit auch, gute Vorbereitungen, sicheres Augenmaß, Können und Mut.

Der Normalzustand ist der Alltag: gewöhnlich, gleichförmig, sich ewig wiederholend, langweilig. Aber es gibt Unterbrechungen, Nicht-Alltägliches, Abenteuer. Die Große Göttin richtet ihr Ohr auf das Große Unten; Jason macht sich auf die Suche nach dem Goldenen Vlies; und am Ende der Welt liegt ein Schatz.

Jason geht nicht freiwillig los, er bekommt einen Auftrag. Künstler und Künstlerinnen beauftragen sich dagegen selbst. Und damit beginnt die eigentliche Reise.«

- Ulrike Stoltz
(aus der Eröffnungsrede zu meiner Ausstellung »Queens, Princes, Ladies & the Threads of Fate« in der Galerie Zement, 2003)